Kybernetik zweiter Ordnung: der Beobachter gehört ins System.

Kybernetik zweiter Ordnung nach Heinz von Foerster: der Beobachter als Teil des Systems – Steuerung steuernder Systeme

Was ist Kybernetik zweiter Ordnung?

Kybernetik zweiter Ordnung ist die Kybernetik kybernetischer Systeme – sie beschreibt die Steuerung steuernder Systeme und bezieht den Beobachter als Teil des beobachteten Systems ein. Der Begriff geht auf Heinz von Foerster zurück, der erkannte: Wenn man Systeme beobachtet, die selbst steuern, kann man den Beobachter nicht heraushalten. Die klassische Kybernetik – die erste Ordnung – behandelte den Beobachter als außenstehende, neutrale Instanz. Kybernetik zweiter Ordnung zeigt: Diesen Standpunkt gibt es nicht.

Was unterscheidet sie von Kybernetik erster Ordnung?

Kybernetik erster Ordnung steuert Systeme von außen – sie setzt einen neutralen Beobachter voraus; Kybernetik zweiter Ordnung erkennt, dass es keinen Außenstandpunkt gibt: Der Beobachter verändert das System durch seine Beobachtung. Ein Thermostat ist ein System erster Ordnung: Es steuert die Temperatur nach einem extern gesetzten Sollwert, ohne sich selbst zu reflektieren. Ein Coach im Gespräch ist ein System zweiter Ordnung: Er beobachtet das System des Klienten – aber er ist gleichzeitig Teil des entstehenden Gesprächssystems. Diese Selbsteinbeziehung verändert alles.

Selbstreferenz als Kern der Kybernetik zweiter Ordnung: wie Beobachtung das Beobachtete verändert – Anwendung im systemischen Coaching

Wie verändert Kybernetik zweiter Ordnung systemisches Coaching?

Systemisches Coaching, das auf Kybernetik zweiter Ordnung aufbaut, verzichtet auf die Illusion der Neutralität: Der Coach ist Teil des Systems, das er begleitet – und handelt entsprechend verantwortlich. Das bedeutet in der Praxis: Ein systemischer Coach bringt seine eigene Beobachterperspektive ein, reflektiert sie und bietet sie dem Klienten als Möglichkeit an – nicht als Wahrheit. Er fragt sich: Was sehe ich? Wie sehe ich es? Was schließt diese Perspektive aus? Diese Selbstreflexion ist keine Schwäche, sondern das Zeichen professionellen systemischen Arbeitens.

Warum ist der Coach Teil des Systems?

Der Coach ist Teil des Systems, weil seine Anwesenheit, seine Fragen und seine Reaktionen das System verändern – nicht als externer Einfluss, sondern als integrierter Bestandteil des entstehenden Gesprächssystems. Wer glaubt, als Coach neutral zu sein, übt dennoch Einfluss aus – nur unkontrolliert. Kybernetik zweiter Ordnung fordert, diesen Einfluss anzuerkennen und bewusst zu gestalten. Das ist auch der Grund, warum gutes Coaching Supervision braucht: Der Coach muss seinen eigenen Beobachterstandpunkt von außen beobachten lassen. Mehr dazu im Eintrag zum Beobachter und zur Autopoiesis.

WennDann
ein Berater glaubt, er könne ein System von außen objektiv beurteilenoperiert er noch auf der Ebene der Kybernetik erster Ordnung
ein Coach seine eigene Wirkung auf das Gespräch reflektierthandelt er im Sinne der Kybernetik zweiter Ordnung
Empfehlungen von außen nichts verändernist das System autopoietisch stabil – und braucht eine andere Art der Irritation
Sie bemerken, dass Ihre Beobachtung die Situation verändertsind Sie mitten in einem kybernetischen Prozess zweiter Ordnung
ein Führungsteam seine eigene Dynamik nicht sehen kannbraucht es einen Außenbeobachter, der selbst seinen Beobachterstandpunkt reflektiert