Selbstreferentiell: ein System, das sich auf sich selbst bezieht.

Schema eines selbstreferentiellen Systems, das seinen eigenen Zustand als Bezugspunkt nimmt – zur Erläuterung des Begriffs für Klienten

Was bedeutet selbstreferentiell?

Selbstreferentiell bezeichnet ein System, das Informationen über sich selbst verarbeitet und dabei seinen eigenen Zustand als Bezugspunkt nimmt – es bezieht sich auf sich selbst. Das klingt abstrakt, ist aber alltäglich: Wenn Sie über Ihre eigene Denkweise nachdenken, wenn ein Unternehmen seine eigene Kultur analysiert oder wenn eine Familie ihre eigenen Regeln hinterfragt, ist das selbstreferentielles Handeln. Das Entscheidende ist nicht das Nachdenken an sich, sondern dass das System dabei sich selbst als Maßstab verwendet. Daraus entstehen Stärken – und Fallen.

Welche Beispiele für selbstreferentielle Systeme gibt es?

Das Gehirn, das über das Gehirn nachdenkt; eine Organisation, die ihre eigenen Regeln aufstellt; ein Gespräch, das über das Gespräch spricht – das sind klassische selbstreferentielle Systeme. Niklas Luhmann hat Kommunikation als selbstreferentielles System beschrieben: Kommunikation reproduziert sich durch Kommunikation. Kein Eingriff von außen setzt Kommunikation in Gang – das System erzeugt sich aus sich selbst heraus. Dasselbe gilt für das Bewusstsein: Es entsteht nicht durch Reize von außen, sondern durch die eigene Verarbeitungslogik. Diese geschlossene Struktur erklärt, warum Ratschläge von außen so oft wirkungslos bleiben.

Darstellung der selbstreferentiellen Schleife im menschlichen Denken – wie Sie als Klient in Bewertungsschleifen geraten können

Was bedeutet Selbstreferentialität in der systemischen Beratung?

In der systemischen Beratung beschreibt Selbstreferentialität den Mechanismus, durch den Klienten in Denkschleifen geraten: Das System bewertet seine eigenen Bewertungen und kommt dabei nicht mehr heraus. Sie denken über Ihre Entscheidung nach – und bewerten dieses Nachdenken wieder – und zweifeln daran, ob Ihre Bewertung richtig ist. Das Paradoxon der Selbstbeschreibung liegt darin, dass ein System sich selbst nie vollständig beschreiben kann: Es gibt immer einen blinden Fleck, weil das beobachtende Auge sich selbst nicht sehen kann. Systemische Beratung macht genau diese blinden Flecke sichtbar.

Wie hilft das Konzept im Coaching?

Wer versteht, dass er selbstreferentiell denkt, kann beginnen, externe Bezugspunkte einzuführen – und damit den Kreislauf zu unterbrechen. Im Coaching bedeutet das konkret: Perspektivwechsel durch zirkuläre Fragen, Positionswechsel durch Außenperspektiven, Kontextveränderungen, die neue Informationen ins System bringen. Selbstreferentialität ist nicht das Problem – sie ist die Struktur, die jedes System am Leben erhält. Das Problem entsteht, wenn das System keine neuen Informationen mehr verarbeiten kann und sich im eigenen Kreislauf dreht. Genau dort setzt Coaching an.

WennDann
Sie immer wieder dieselben Überlegungen anstellen und zu keiner Entscheidung kommenist selbstreferentielles Denken wahrscheinlich die Ursache
Ratschläge von außen nichts ändernhat das System die neue Information abgewiesen – das ist typisch für geschlossene Systeme
Sie Ihre eigene Wahrnehmung ständig in Frage stellendreht sich das System auf einer Metaebene selbstreferentiell weiter
eine Organisation ihre eigenen Regeln als unveränderlich wahrnimmthat Selbstreferentialität die Grenze zur Starrheit überschritten
ein externer Beobachter Dinge sieht, die intern unsichtbar sindzeigt das den strukturellen blinden Fleck jedes selbstreferentiellen Systems

Mehr über die Verbindung zwischen Selbstreferentialität und Kommunikationsproblemen sowie das verwandte Konzept der Autopoiesis.