Lösungsfokussiert heißt: nicht das Problem analysieren, sondern die Ausnahme finden.

Lösungsfokussierter Ansatz nach de Shazer: Ausnahmen, Ressourcen und Zielzustände statt Ursachenanalyse im Coaching

Was ist lösungsfokussiertes Coaching?

Lösungsfokussiertes Coaching ist ein Ansatz, der nicht die Ursachen eines Problems analysiert, sondern Ausnahmen, Ressourcen und Zielzustände in den Mittelpunkt stellt – begründet von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg am Brief Family Therapy Center in Milwaukee. Die Grundannahme ist radikal: Es besteht kein notwendiger Zusammenhang zwischen dem Verständnis eines Problems und seiner Lösung. Was funktioniert, muss mehr getan werden. Was nicht funktioniert, soll verändert werden. Das klingt einfach – und ist in der Praxis überraschend wirkungsvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Problem- und Lösungsfokus?

Problemfokus fragt: Wie ist das Problem entstanden? Lösungsfokus fragt: Wann ist das Problem nicht da – und was ist dann anders? Das ist keine Spielerei, sondern eine fundamentale Verschiebung: Wer das Problem analysiert, erzeugt mehr Problemkommunikation. Wer nach Ausnahmen fragt, erzeugt Lösungskommunikation. Das Gespräch verändert, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet ist – und Aufmerksamkeit verändert, was wahrgenommen wird. Im systemischen Coaching wird beides genutzt: Problemklärung, um den Auftrag zu verstehen; Lösungsfokus, um Veränderung zu ermöglichen.

Wunderfrage, Ausnahmen und Skalierungsfragen: die drei Kerntechniken des lösungsfokussierten Coachings im Überblick

Welche Techniken nutzt der lösungsfokussierte Ansatz?

Zu den Kerntechniken gehören die Wunderfrage, die Arbeit mit Ausnahmen und Skalierungsfragen – alle drei umgehen die Problemlogik und arbeiten direkt mit dem gewünschten Zustand. Die Wunderfrage: „Stellen Sie sich vor, heute Nacht geschieht ein Wunder – und das Problem ist weg. Woran merken Sie morgen früh als erstes, dass etwas anders ist?" Diese Frage öffnet den Lösungsraum, ohne das Problem zu verleugnen. Ausnahmen: „Wann in den letzten Wochen war das Problem weniger schlimm – oder gar nicht da?" Skalierungsfragen: „Auf einer Skala von 0 bis 10 – wo stehen Sie gerade? Was wäre ein erster Schritt von 3 auf 4?"

Wann ist lösungsfokussiertes Vorgehen sinnvoll?

Lösungsfokussiertes Vorgehen ist besonders sinnvoll, wenn Ursachenanalyse keine neuen Erkenntnisse mehr bringt oder wenn der Klient bereits genug über das Problem weiß – und nun wissen muss, was als nächstes kommt. Es ist weniger geeignet bei strukturellen Problemen, die zunächst eine genaue Auftragsklärung erfordern, oder bei tiefliegenden Mustern, die Reflexion statt Lösungsorientierung benötigen. Lösungsfokus ist keine Universalmethode – sondern eine wirkungsvolle Ergänzung des systemischen Werkzeugkastens.

WennDann
Sie über ein Problem gut Bescheid wissen, aber nicht wissen, was zu tun istist der Lösungsfokus die richtige Verschiebung
Sie in einem Gespräch immer mehr in die Problemspirale geratenhilft die Frage nach Ausnahmen, den Fokus zu verschieben
Sie nicht wissen, was Sie wollen – nur was Sie nicht wollenöffnet die Wunderfrage den Raum für positive Zielformulierungen
kleine Fortschritte unsichtbar bleibenmachen Skalierungsfragen den Unterschied wahrnehmbar
Ursachenforschung Sie erschöpft statt weiterbringtist das ein klares Signal für den Wechsel zum Lösungsfokus