Auftragsklärung bestimmt, ob das Gespräch hilft.

Drei Typen von Klienten nach de Shazer: Besucher, Klagender und Kunde – als Grundlage der systemischen Auftragsklärung

Was ist systemische Auftragsklärung?

Systemische Auftragsklärung klärt, wer was von wem aus welchem Grund möchte – sie stellt sicher, dass Berater und Klient tatsächlich an demselben Ziel arbeiten. Steve de Shazer beschrieb drei Kliententypen, die sich in ihrer Veränderungsbereitschaft unterscheiden: Den Besucher, der kein eigenes Anliegen mitbringt; den Klagenden, der das Problem bei anderen sieht; und den Kunden, der bereit ist, selbst etwas zu verändern. Auftragsklärung heißt zunächst: Erkennen, mit wem man es gerade zu tun hat – und daran das Vorgehen ausrichten.

Welche Fragen gehören zur Auftragsklärung?

Kernfragen der Auftragsklärung sind: Was soll sich verändern? Für wen ist die Veränderung? Wer hat dieses Gespräch initiiert – und warum jetzt? Die Auftragspyramide unterscheidet dabei zwischen dem Primärauftrag (was der Klient offiziell möchte), dem Sekundärauftrag (was das System, das den Klienten schickt, möchte) und dem Tertiärauftrag (was der Klient eigentlich möchte, aber noch nicht ausspricht). Erst wenn alle drei Ebenen sichtbar sind, kann echte Klärung gelingen. Das sogenannte Auftragskarussell beschreibt, wie sich diese Aufträge im Laufe eines Prozesses verschieben können.

Auftragspyramide im systemischen Coaching: Primär-, Sekundär- und Tertiärauftrag als drei Ebenen der Klärung

Was passiert, wenn die Auftragsklärung fehlt?

Ohne Auftragsklärung arbeiten Berater und Klient an unterschiedlichen Zielen – das Gespräch fühlt sich hilfreich an, ändert aber nichts Wesentliches. Das ist kein seltenes Problem: Viele Coaching-Prozesse scheitern nicht an mangelnder Methode, sondern daran, dass der Auftrag nie wirklich gemeinsam formuliert wurde. Der Klient erwartet etwas anderes als der Coach anbietet. Oder der eigentliche Auftraggeber – etwa das Unternehmen, das die Maßnahme finanziert – hat andere Ziele als der Klient selbst. Diese Mehrdeutigkeit muss explizit gemacht werden, bevor inhaltliche Arbeit beginnt.

Wie unterscheidet sich Auftragsklärung im Coaching von der in der Therapie?

Im Coaching steht der Auftrag häufig von Beginn an fest; in der Therapie muss er oft erst durch Klärung sichtbar gemacht werden – weil das eigentliche Anliegen unter dem präsentierten Problem liegt. Im Executive Coaching kommt eine zusätzliche Komplexität hinzu: Der Klient ist häufig auch Auftraggeber, gleichzeitig gibt es ein übergeordnetes System – das Unternehmen, den Beirat, die Familie –, das implizite Erwartungen mitbringt. Auftragsklärung im Coaching bedeutet deshalb, alle diese Ebenen zu benennen und transparent zu machen, auf welcher Ebene gearbeitet wird.

WennDann
ein Gespräch verläuft gut, aber nichts ändert sichfehlt vermutlich ein klarer Auftrag
der Klient über andere spricht, ohne eigene Veränderungswünsche zu formulierenist er ein Klagender – und der Auftrag muss noch entwickelt werden
das Unternehmen jemanden zum Coaching schickt, der es nicht wollteist die erste Aufgabe: Auftragsklärung auf der Beziehungsebene
das Ziel eines Gesprächs sich im Verlauf verändertdreht sich das Auftragskarussell – und das sollte explizit benannt werden
Sie nicht wissen, wofür das Gespräch gut warwar kein Auftrag vorhanden